Nicht auf den Anruf warten: So machen Sie Karriere mit dem Headhunter

Erschienen auf FocusOnline am DO, den 25.09.2014

Karrieresprungbrett Headhunter

Noch immer umweht die Headhunter-Branche ein Hauch von Geheimnis und großer Macht. Einfluss haben sie in der Tat. Aber Ehrfurcht ist nicht nötig. Headhunter sind offener und hilfsbereiter als oft gedacht.

Auf die Idee, den Headhunter bei der Karriereplanung mit einzubeziehen kommt kaum einer. Dabei gibt es gute Gründe dafür, wieso Bewerber neben den üblichen Karrierewegen wie Job-Portale, Stellenanzeigen, Business-Netzwerke, Vitamin B etc. auch den Headhunter in die Karriereplanung mit einbeziehen sollten. So hilft der Headhunter bei der Bewerbung und über ihn erhalten Kandidaten Zugang zum verdeckten Stellenmarkt.

Dafür müssen Sie nicht auf den berühmten Anruf warten, Sie können auch selbst aktiv werden. Scheu und falsche Ehrfurcht sind völlig fehl am Platz, im Gegenteil: Die meisten Headhunter freuen sich auf neue Kandidaten, die sie vermitteln können. Also: Gehen Sie auf einen Personalberater zu, treten Sie mit Ihm in Kontakt und warten Sie nicht, bis er sich bei Ihnen meldet.

Wie Sie mit Ihm in Kontakt treten und welche Vorteile die Karriere mittels Personalberater bieten, erklären wir Ihnen im Folgenden Abschnitten.

Gehören Sie zur Zielgruppe der Headhunter?

Headhunter bzw. Personalberater sind auf das Suchen und Finden von Fach- und Führungskräften spezialisiert. Das heißt., dass Personalberater keineswegs nur noch Top-Führungskräfte, sogenannte Executives suchen (daher auch der ursprüngliche und eigentliche Bezeichnung für die Tätigkeit des Headhunter: „Executive Search“). Bereits seit den 90er Jahren hat sich das Suchfeld der Personalberater stark verändert. Mittlerweile ist es üblich, dass auch Spezialisten-Positionen (also Fachkräfte) über Personalberater gesucht werden. Dagegen ist die Such nach Führungsfunktion über Personalberater üblich.

Im Umkehrschluss gilt also folgendes: Gehören Sie zur Gruppe der „Führungskräfte“, so gehören Sie mit großer Wahrscheinlichkeit automatisch zur Zielgruppe der Personalberater. Je höher Sie in der Hierarchie innerhalb der Unternehmensorganisation stehen, umso wahrscheinlicher ist es, dass Sie früher oder später mit Personalberatern in Kontakt kommen.

Ob Sie zur Zielgruppe der Fachkräfte und Spezialisten gehören, hängt vor allem davon ab, in welchem Umfeld Sie tätig sind, in welcher Position und wie hoch Ihr aktuelles Gehalt ist. Fach- und Führungskräfte, die 60.000 Euro und mehr verdienen, sind für den Headhunter interessant, da ein Gehalt in dieser Höhe für Erfahrung und Qualifikation spricht. Bei einem Gehalt von über 100.000 Euro sind Sie normalerweise bei allen Beratern willkommen, die in Ihrem Branchenumfeld tätig sind. Darüber hinaus sollten Sie mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung haben und eine gefragte berufliche Qualifizierung beziehungsweise Spezialisierung vorweisen können.

Wie Sie einen Headhunter auf sich aufmerksam machen

Wenn Sie bei einem Unternehmen fest angestellt sind und Ihr Berufsfeld zu der Suche eines Personalberaters gehört, dann wird er Sie früher oder später finden, denn das ist sein Job und dafür wird er bezahlt. Um aber schneller auf sich aufmerksam zu machen, können Sie die im Folgenden beschriebenen Maßnahmen ergreifen.

Checkliste!

So machen Sie sich für einen Personalberater sichtbar und interessant

  • Sie sind bei einem Unternehmen fest angestellt
  • Sie bewerben sich initiativ bei einem Personalberater
  • Sie treten als Auftraggeber des Personalberaters erstmals mit ihm in Kontakt. Vorteil hier ist, dass Sie die Arbeitsweise des Personalberaters kennenlernen und verschiedene Personalberater ausprobieren können
  • Sie werden von Kollegen/Bekannten empfohlen, die zuvor mit dem Personalberater im Kontakt standen
  • Sie sind gut vernetzt durch Jobbörsen oder Business-Netzwerke wie Xing, LinkedIn, Twitter und Facebook
  • Sie arbeiten in einem stark nachgefragten Umfeld und Branchen. Dazu gehören funktionale Themen wie Marketing, Vertrieb und Ingenieursthemen im technischen Umfeld sowie viele Positionen in der Informationstechnologie. Personen in diesem Berufsumfeld werden von Personalberatern sehr häufig gesucht. Oder Sie besitzen besondere und seltene Qualifikationen
  • Sie erscheinen auf der Firmenwebsite Ihres Arbeitgebers
  • Sie veröffentlichen Presseartikel oder schreiben Bücher
  • Sie treten auf Messen, Tagungen oder Konferenzen als Redner auf

 

Problematisch wird es, wenn Sie nicht fest angestellt sind (Freiberuflich tätig oder arbeitslos) und bei keinem Unternehmen fest angestellt sind. Das macht es notwendig, dass Sie mit Ihrem Lebenslauf in den richtigen Datenbanken vertreten sind. Dazu gehören neben Business-Netzwerken wir Xing oder LinkedIn auch Jobbörsen wie bspw. Experteer, Placement24, Monster oder Stepstone. Darüber hinaus macht es auch Sinn, seinen Lebenslauf initiativ an (die richtigen) Personalberater zu senden und dafür zu sorgen, in diesen Datenbanken vertreten zu sein. Die „richtigen Personalberater“ sind solche, die in Ihrer Branche aktiv sind und Positionen besetzen, die Sie interessieren.

Sollten Sie wiederum bei einem Unternehmen nicht fest angestellt sein und in keiner Datenbank vertreten sein ist die einzige Möglichkeit, wie der Personalberater sie findet, die Empfehlung eines Dritten, der mit Personalberatern in Kontakt steht. Also ist die Pflege seines eigenen, privaten Netzwerks auch von hoher Bedeutung.

Vorteile der Zusammenarbeit mit dem Headhunter

In erster Linie ist der Headhunter vertrauensvoller Vermittler von Jobofferten, dessen Diskretion und Vertraulichkeit immer im Vordergrund stehen sollte und der Ihnen den Zugang zum verdeckten Stellenmarkt vorbereitet. Einige der entscheidenden Vorteile sind wie folgt:

Gestärkte Position gegenüber dem Auftraggeber

Vor allen anderen Vorteilen ist Ihre vorteilhaftere Verhandlungsposition gegenüber dem suchendem Unternehmen hervorzuheben: Während Sie mit Ihrer Initiativbewerbung die Position des Bittstellers einnehmen, werden Sie im Fall der Empfehlung durch den Headhunter zu einer der am besten passenden Kandidaten für den zu besetzenden Job. Diese neue und einzigartige Ausgangssituation versetzt Sie in eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber dem Unternehmen.

Zugang zum verdeckten Stellenmarkt

Über den Personalberater erhält der Kandidat Zugang zum verdeckten Stellenmarkt. Oft werden seitens des Auftraggebers Positionen über den Personalberater besetzt, die auf andere Weise (Jobbörsen, Internetseite der Unternehmen etc.) nicht ausgeschrieben werden. In solchen Fällen hat ein Kandidat kaum eine Chance, sich auf diese Stellen zu bewerben. Man schätzt, dass nur etwa ein Drittel der Führungspositionen auf dem offenen Stellenmarkt veröffentlicht werden, die restlichen werden von Personalberatern besetzt.

Unterstützung bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen

Im Rahmen eines Projekts beraten und unterstützen Personalberater bei der Erstellung und Optimierung von Bewerbungsunterlagen.

Karriereberatung & Perspektive

Der Personalberater berät und coacht den Kandidaten auch über sein bisheriges Tätigkeits- und Branchenprofil hinaus und erweitert so die Chancen, in neuen Branchen- und Tätigkeitsbereichen, an die der Kandidat selbst möglicherweise noch nicht gedacht hat, Fuß zu fassen.

Markt- und Branchenkenntnis

Personalberater können aufgrund ihrer Markt- und Branchenkenntnis Kandidaten sehr gut beraten, welches der nächste sinnvolle Karriereschritt sein kann, und sind somit aktiv an der Karriereplanung der Kandidaten beteiligt.

Netzwerk

Personalberater haben in der Regel ein sehr großes Netzwerk. Je länger eine Beratung erfolgreich am Markt vertreten ist, umso höher sind die Chancen für den Kandidaten, allein aufgrund des Netzwerkes des Personalberaters vermittelt zu werden.

Informationen

Der Personalberater informiert den Kandidaten im Vorfeld ausführlich über das Unternehmen und die zu besetzende Position, sodass sich der Kandidat ein gutes Bild über den ihm angebotenen Job machen kann. Er kann sich ein Urteil darüber bilden, ob die angebotene Stelle zu ihm passt und eine Perspektive darstellt. So gibt der Berater Hinweise, die es dem Kandidaten ermöglichen bei einem Präsentationstermin seine Chancen zu erhöhen, oder aber er empfiehlt dem Kandidaten im Vorfeld, von der Bewerbung Abstand zu nehmen.

Moderation und Unterstützung

Der Personalberater unterstützt und berät den Kandidaten bei der Vorbereitung der Vorstellungsgespräche, während des gesamten Bewerbungsprozesses und moderiert zwischen dem Kandidaten und dem Auftraggeber auch während der Vertragsverhandlungen und darüber hinaus.

Gehaltsfrage

Der Berater kennt die Branche und weiß, welches Gehaltsniveau für die zu besetzende Position gerechtfertigt ist und was der Kunde bereit ist zu zahlen. Auch in diesem Punkt kann der Berater als Moderator auftreten.

Absage

Im Gegensatz zu den meisten Absagen bei einer Direktbewerbung durch ein Unternehmen, erhält der Kandidat bei einer Absage durch den Personalberater eine Begründung, die der Berater zuvor mit dem Auftraggeber besprochen hat. Diese Begründung sollte sich der Kandidat zunutze machen, um bei der nächsten Bewerbung mehr Chancen auf den neuen Job zu haben.

Kosten

Die Tätigkeit des Personalberaters im Rahmen einer Suche ist für den Bewerber kostenlos.

So finden Sie den richtigen Headhunter

Wenn der Berater Ihnen eine Weiterentwicklung offeriert, ist es eher nebensächlich, ob er zu „den“ führenden und bekanntesten Personalberatungen gehört oder nicht. Dennoch gibt es einige Punkte, die unbedingt beachtet werden sollten.

Einen Anhaltspunkt bieten diverse Verbände, wie der in Deutschland führende Verband BDU (Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V.) oder der international vertretene Verband der AESC (Association of Executive Search Consultants). Wer hier Mitglied ist, verpflichtet sich zur Einhaltung strenger Berufsgrundsätze.

Problematisch in diesem Zusammenhang ist, dass einige der aktiven Personalberater in Deutschland kein Mitglied beim BDU, AESC oder einem anderem Verband sind. Die Gründe sind individuell und vielfältig und haben im seltensten Fall mit einer unprofessionellen Arbeitseinstellung oder der Qualität einzelner Personalberatungen zu tun.

Wenn Sie nach Ihrer Recherche unsicher sind, ob der oder die gefundenen Personalberater zu Ihnen passen, dann rufen Sie diese einfach an und suchen Sie aktiv den persönlichen Kontakt! Man wird Sie aufklären und bitten, sofern dieser Schritt für beide Parteien sinnvoll ist, einen aktuellen Lebenslauf zuzusenden, damit der Berater Sie besser kennenlernen und einschätzen kann oder Sie direkt zu einem persönlichen Gespräch einladen. Der Lebenslauf ist als Grundlage und Vorbereitung eines weiteren Gesprächs bzw. einer Beratung zu verstehen.

Praktische & hilfreiche Tipps:

1. Vertrauen und persönlicher Eindruck

Vertrauen Sie bei der Wahl des Personalberaters auf Ihr Bauchgefühl. Da die Branche in erster Linie ein personenbezogenes Geschäft ist, entscheidet die Personalberater-Persönlichkeit und nicht zwingend das Personalberatungs-Unternehmen, für das er tätig ist, über den Erfolg einer Zusammenarbeit. Sollte der Bewerber kein Vertrauen zu einem bestimmten Personalberater haben – aus welchen Gründen auch immer –, sollte er nach Abschluss des Mandats oder bereits im Vorhinein nicht weiter mit diesem zusammenarbeiten.

Verwechseln Sie aber das Thema Vertrauen nicht mit Sympathie. Es kommt nicht zwingend darauf an, ob Sie den Berater als sympathisch oder unsympathisch empfinden. Solange der Berater seiner Arbeit vertrauensvoll, ordentlich und erfolgreich nachkommt, können Sie gut mit ihm zusammenarbeiten und der Grundstein für eine langfristige und partnerschaftliche Zusammenarbeit geschaffen

2. Erfahrung

Langjährige Erfahrung einer Personalberatung/eines Personalberaters lässt auf einen kontinuierlich verbesserten und hohen Qualitätsstandard schließen. Vermeiden Sie es, mit Beratern zusammenzuarbeiten, die alles und jeden vermitteln oder den Anschein erwecken, mit Lebensläufen zu „handeln“. Diese Berater sind wenig seriös und haben mit dem Executive Search wenig zu tun.

3. Größe der Personalberatung

Die Größe einer Personalberatung lässt durchaus auf die Anzahl der Kunden und die zu vermittelnden Jobangebote schließen, was die Chance erhöht, ein interessantes Jobangebot von dieser Beratung zu erhalten. Größe steht allerdings nicht zwangsläufig für Qualität.

4. Spezialisierung

Im Rahmen der mittelfristigen Karriereplanung macht es Sinn, Kontakt zu diversen Personalberatern intensiv zu pflegen. Bei den ausgewählten Beratern sollte es sich um solche handeln, die einige Kunden in Ihrer Branche betreuen, damit die Wahrscheinlichkeit, ein gutes Angebot zu erhalten, steigt.

5. Diskretion

Diskretion versteht sich eigentlich von selbst, aber auf eine Regel sollte der Kandidat besonderen Wert legen: Ohne sein Wissen dürfen sein Name beziehungsweise seine Unterlagen nicht an den Auftraggeber (oder jede andere dritte Person) übermittelt werden. Der Personalberater muss Sie vorher darüber informieren.

6. Konkretes Mandat

Üblicherweise kann davon ausgegangen werden, dass der Personalberater für die Suche ein Mandat des Auftraggebers hat und nicht ohne Grund Kandidaten anspricht. Sollten Sie sich unsicher sein, so fragen Sie den Berater direkt nach dem Kunden, für wen er sucht und ob er Ihnen eine Positionsbeschreibung, in der die zu besetzende Stelle beschrieben wird (ähnlich einer Anzeige), zusenden kann.